Der Narbenmann Kapitel 3

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Nach Kapitel 1 und 2, die ihr in der neuen Ausgabe der Berggeister lesen konntet (die es auch hier auf dem Blog als digitale Version gibt) geht es jetzt weiter:

Kapitel 3:
Die Wüste

Am nächsten Tag erwachte er mit dem ersten Sonnenstrahl.
Er richtete sich auf und ging weiter in Richtung aufgehender Sonne. Nach etwa 5 Stunden waren die Bäume vertrocknet. Er stand dort wo einst Meer war – er stand am Anfang der Wüste. Er sah nach vorne: dort war nichts als Sand und ein Gras von dem man sagte es sei von einem Dämon besessen. Der Narbenmann nahm sein Messer und schnitt des Gras ab. Er nahm es ohne es ein einziges mal anzuschauen und machte daraus ein Feuer. Das Zeug brennt wie Zunder, dachte der Narbenmann.
Doch kurz darauf schlief er auch schon ein. Er träumte von seiner Jugend, wie die anderen Kinder Ball gespielt hatten und er mit seinem Revolver schießen gelernt hatte, wie er dem ersten Kind das Leben gerettet hat und wie eine Mann gehängt wurde. Das alles hatte er in einem Jahr durchstehen müssen.
Plötzlich hatte er das Gefühl, dass etwas an seinem Bein ist. Er sah einen Skorpion, der wollte gerade seinen tötenden Stachel in sein Bein rammen als der Narbenmann ihn schon mit seinem Revolver wegfegte.
So verliefen die Tage. Jon ging Meile um Meile, Stunde um Stunde, Tag um Tag. Bis seine Wasserschläuche beinahe leer waren. Er humpelte nur noch und sagte sich: Ich werde nicht umfallen. Ich werde nicht umfallen.
Doch dann fiel er um. Er strauchelte und fiel.
Benommen trank er den letzten Schluck Wasser und sagte zu sich: Jetzt ist es aus. Jetzt ist es aus.
Doch es war nicht aus. Er stand langsam aber sicher auf und ging weiter er war so verzweifelt das er beinahe aufgegeben hätte. Doch dann sagte er: Ich werde nur sterben, wenn ich diesen
Priester gefunden habe, aber niemals als Namenloser.
Und er ging weiter. Und zwar genau eine Meile. Doch es kam ihm so vor wie 100 Meilen. Er war kurz davor zusammen zu brechen. Doch da sah er eine Haus mit der Aufschrift „Auffangstation für kranke Tiere“. Der Narbenmann ging die letzten paar Meter mühsam bis zur Tür und klopfte. Niemand öffnete. Er klopfte doller an. Doch niemand öffnete. Er ging ans Fenster und klopfte dort. Ein Mann ging in Richtung Fenster und hielt ein Betäubungsgewehr in der Hand. Nun ging er wirklich zum Fenster und öffnete es. Er lachte und rief so freudig zu seiner Frau: „Wir haben das erste mal seit drei Jahren Besuch.“ Er sprang wie ein Verrückter in die Luft. Eine großer Mann mit einem Schnauzer stand vor Jon. Da kam schon die Frau des Herren. Eine mittelgroße Frau mit strohblondem Haar und einem Zopf. Beide trugen komisch geschnittene Sonnenhüte. Doch das schien für Jon erst einmal egal zu sein. Er fragte ob sie Wasser und etwas zu essen hatten. Die beiden antworteten fast synchron: „Natürlich!“
Nachdem er gegessen und getrunken hatte, fragte er ob es wirklich schon 3 Jahre her war, dass sie Besuch bekommen hatten. „Nein, es sind etwa 3 Wochen.“
„Wer war es?“ fragte Jon.
„Ein Priester, glaube ich.“
Der Narbenmann fragte, ob er eine Nacht bleiben könne.
Sie sagte: „Aber nur für 20 Schilling und nur, wenn du uns deinen Namen verrätst.“ Jon nickte und zahlte.
„Mein Name ist Narbenmann und basta.“
„Bitte, wie heißt du weiter. Wir haben so lange keine Namen gehört.“ Doch der Narbenmann sagte nur „Mein Name ist Narbenmann. „Wenn das so bleibt“, sagte der Mann „dann verraten wir auch unsere Namen nicht!“
Jon nickte nur und warf ein: „Erzählt mir was das für ein Mann war- der Priester.
„Er war sehr liebenswürdig und hat unseren Brunnen in einer Stunde um einen Meter tiefer gemacht. Als könnte er zaubern.“
Der Narbenmann schrie beinahe:“ER KANN ZAUBERN?“
Das Ehepaar sah sehr ängstlich auf und sagte: „Ja, das denken wir!“ „Also gut fahrt fort.“
„Der Mann ging dann hier schlafen und sagte gute Nacht.
Er hatte nichts gegessen und am nächsten Tag war unsere Vorratskammer so voll, wie seit Jahren nicht mehr. Mein Mann schmiss zwar aus Furcht alles weg, aber alles, was wir es nicht essen kehrt wieder zurück. Mehr können wir nicht erzählen.“
Der Narbenmann sagte, er wolle nun schlafen gehen. Er legte sich sofort ins Bett und schlief blitzartig ein.
Am nächsten Tag stand er auf und ging nach unten. Das Ehepaar saß bereits am Tisch und als Jon fragte, ob er auch etwas zu sich nehmen dürfte, nickten sie.
Jon leckte sich die Lippen. Er hatte seit einem Monat nicht mehr richtig gegessen. Er aß als wäre er eine Maschine, die gleich explodieren würde.
Kaum war er fertig mit dem Essen sagte er „Ich muss weiter.“
Er verabschiedete sich kurz und ging los. Er drehte sich noch einmal um und sah das kleine Hüttchen hinter sich verschwinden. Es wurde immer kleiner bis es nur noch ein kleiner Punkt war und dann verschwand.
Jon wanderte über heißen Boden. Seine Schuhe waren fast weggeschmolzen. Er hatte mehrere Brandblasen an seinem Fuss. Doch der Mann, der sich als Priester ausgab, war noch nicht in Sicht. Er aß immer nur Sachen aus der Dose, die er von dem Ehepaar bekommen hatte und seine Vorräte waren fast leer. Er musste aus der blöden Wüste raus sonst würde er jämmerlich verhungern. Er bemerkte gar nicht, das er die ganze Zeit über geschrieen hatte, was er dachte.
Plötzlich kam eine Mann mit einem Jungen zu ihm. „Rettet meinen Sohn! Rettet ihn!“ Dann brach der Mann zusammen und starb.
Der Junge weinte ohne Tränen. Jon nahm ihn und riss ihn weg von seinem toten Vater. Der junge stand auf und sagte „Danke!“ und nach einem zögern „Warum danke? Ich will ihn nicht sehen!“, sagte der Junge.
Jon lies es darauf beruhen und sagte nur „Komm!“
Der Junge ging mit. Jon fragte „Wo entlang geht es aus der Wüste?“
„Du musst immer in Richtung der aufgehenden Sonne gehen.“
Jon fragte, „Wie ist dein Name“
„Mein Name ist Ronj. Und Deiner?“ Jetzt passierte etwas erstaunliches. Der Narbenmann sagte: „Mein Name ist… ist …ist Jon.“
„Ok, Jon. Nimmst du mich mit.“ „Ja“, sagte Jon. Sie teilten sich ihren Vorrat und marschierten weiter. Sie liefen drei Tage lang bis Ronj zusammenbrach. Jon sagte, „Nimm einen Schluck von meinem Wasser.“ Ronj tat was gesagt und stand auf. Der Narbenmann sah einen Baum der Blätter trug. Er sagte „Wir haben die Wüste durchquert.“ Er jubelte kurz und sah einen riesengroßen Bach. Er füllte seinen Wasserschlauch und nahm einen riesen Schlug. Das selbe machte Ronj. Sie gingen noch ein paar Meilen, als sie das erste normale Gras erblickten. Der Narbenmann nahm sich seinen Revolver und schoss ein Reh. Das grillten sie. Dann aßen sie es, als wäre es das beste Fleisch auf Erden.





Von Jaan Bennet Berendes Mai 2020