Interview mit der Gründerin der Fairteilbar

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Fairteilbar – Münster ein spannendes Interview mit einer Gründerin S. Kemper

Am Mittwoch, den 08.01.2020 haben wir endlich die Fairteilbar besucht. Das hatten wir schon länger vor. Aber vorher wollten wir unsere Plakatwand zu den UNESCO Zielen 2 Kein Hunger und 12 Verantwortungsvoller Konsum fertigstellen. Diese Info-Wand steht in der Mensa, vielleicht habt ihr sie schon gesehen? Na, jedenfalls haben wir es dann endlich geschafft und sind losgeradelt. In der Fairteilbar war gerade nicht so viel los, daher konnten wir mit der Gründerin Frau Susanne Kemper sprechen. Sie gab uns einen sehr spannenden Einblick in ihre Arbeit. Hier das ganze Interview:

Emmi: Hallo, wir sind Emmi, Jasmin und Bruno. Das ist unsere Lehrerin Frau Borrosch. Wir sind von der UNESCO NG der Primus Schule. Haben Sie etwas Zeit für uns?

S. Kemper: Ja, aber wenn Kunden kommen, muss ich kurz unterbrechen.

Jasmin: Wie heißen Sie?

S. Kemper: Mein Name ist Susanne Kemper.

Emmi: Was ist Ihre Aufgabe?

Textfeld: Jasmin und Emmi Lou mit Frau KemperS. Kemper: Oh, ich habe ganz unterschiedliche Aufgaben. Ich bin eine von fünf Gründerinnen der Fairteilbar. Ich organisiere den Laden und das Restaurant. Weiter bin ich zuständig für die Bildungsarbeit. Wir haben viele Menschen hier, die sich für unsere Arbeit interessieren und ebenfalls Lebensmittel retten möchten. Ich mache die Öffentlichkeitsarbeit, mache das Design und teile die Mitarbeiter ein.

Jasmin: Seit wann gibt es die Fairteilbar?

S. Kemper: Geöffnet haben wir diesen Laden und das Restaurant nebenan am 22. Juni 2019.

Emmi: Was macht die Fairteilbar genau?

S. Kemper: Wir retten Lebensmittel! In Deutschland werden in jeder Sekunde 313 kg Lebensmittel, die man noch essen könnte, weggeworfen! Wir versuchen diese zu retten und hier im Laden zu verkaufen. Dabei gilt, bezahle was es dir wert ist. Im Bistro nebenan kann man wie in einem Restaurant essen und dann ebenfalls das bezahlen, was man möchte.

Jasmin: Woher kommen die Lebensmittel?

S. Kemper: Also, wir bekommen die Lebensmittel nicht vom Supermarkt, indem du einkaufen gehst, sondern von Großhändlern oder aber vom Hersteller direkt. Wir ernten auch nach.

Frau Borrosch: Bedeutet das, Sie gehen aufs Feld und ernten zum Beispiel Kartoffeln oder Möhren?

S. Kemper: Genau! Das was der Bauer nicht gut verkaufen kann, weil es zum Beispiel krumm und schief gewachsen ist, würde er vernichten. Wir gehen nach ihm auf´s Feld und ernten die hässlichen aber genauso leckeren Lebensmittel.

Emmi: Geht das Konzept auf?

Textfeld: Unsere Infowand in der Mensa ist endlich fertig.S. Kemper: Hm, woran messen wir das „Aufgehen“? Also, wenn es darum geht, wie viele Menschen sich für die Fairteilbar interessieren und wie viele Anfragen wir rund um die Fairteilbar haben, dann kann ich ganz klar sagen: JA! Das Konzept geht auf und es gibt eine riesige Nachfrage. Und im ersten halben Jahr haben wir 50 Tonnen (!) Lebensmittel gerettet. Wir glauben, dass jeder Mensch Lebensmittel retten MUSS! Und wie man das macht, bringen wir hier Menschen bei. Zum Beispiel kann man bei uns lernen, wie man aus dem Grün von Möhren Pesto macht, wie man aus einem Gemüse oder Lebensmittel ein drei Gänge Menü zaubert und dabei alle Bestandteile nutzt.

Jasmin: Können Sie sich finanziell über Wasser halten?

S. Kemper: Nein, noch nicht. ALLE Menschen arbeiten hier ehrenamtlich! Zurzeit gehen noch alle Einnahmen in den Fairteilbar Laden und ins Bistro. Wir müssen z.B. den Strom, die Miete, eine Lagerhalle und so bezahlen und das deckt die Einnahmen. Aber unser Ziel ist, dass jeder Mitarbeiter ein angemessenes Gehalt bekommen kann.

Emmi: Wer hatte die Idee? Und wie kam die Idee zustande?

S. Kemper: Die Idee hatte ich. Ich habe schon immer versucht Lebensmittel zu retten und habe z.B. containert (Lebensmittel aus dem Müll gerettet. Ist übrigens in Deutschland verboten. Anmerkung der NG). In meinem Beruf als Sozialarbeiterin sind mir Menschen begegnet, die sich das Einkaufen im Supermarkt nicht leisten konnten, die aber nicht zur Tafel gehen wollten. Für diese Menschen wollte ich einen Ort schaffen, an dem sie mit ihrem Geld einkaufen gehen können und wir dabei auch noch Lebensmittel retten.

Jasmin: Wie wurde der Laden aufgebaut?

S. Kemper: Wir haben zunächst ganz klein angefangen. Zuerst gab es kleine Stände, sogenannte Pop-Up Stände und wir haben gerettete Lebensmittel aus einem Foodtruck heraus verkauft. Wir haben Brunchs veranstaltet und waren auf Festen u.ä. Im Februar 2019 haben wir im Internet eine Sammelaktion gestartet. Ein sogenanntes Crowdfunding. Dabei haben mehr als 500 Leute über 30.000,- Euro gespendet. Damit konnten wir den Laden einrichten! Dabei war uns auch wichtig, dass der Laden einladend, sauber und hochwertig aussieht. Wir haben hier hochwertige Lebensmittel und keinen Müll. Das soll man auch an der Einrichtung erkennen.

Emmi: Was gibt es für Lebensmittel?

S. Kemper: Wir haben eine ganz bunte Mischung. Wir haben nicht von allem alles. Da ist Einkaufen auch mal ein Überraschungsmoment.

Jasmin: Wie viele Menschen kommen am Tag?

S. Kemper: Den Laden besuchen ca. 80 – 150 Menschen am Tag und im Bistro haben wir ca. 50 – 80 Essen, die wir zubereiten.

Emmi: Welche Menschen kommen?

S. Kemper: Auch hier haben wir eine ganz bunte Mischung. Im Laden kaufen Studenten, Schüler, Erwachsene und ältere Menschen ein. Im Bistro essen ganz unterschiedliche Menschen zusammen. Die junge Familie aus dem Viertel genauso, wie die ältere Rentnerin, die sich Essen gehen sonst vielleicht nicht leisten könnte. Das finden wir besonders und sehr schön.

Bruno: Wer darf mitarbeiten?

S. Kemper: Jeder darf mitarbeiten. Ab jedem Alter.

Emmi: Ich finde ihr Design übrigens besonders schön.

S. Kemper: Danke!

Jasmin: Nutzen Sie die sozialen Medien?

S. Kemper: Ja, wir sind auf Facebook und Instagram. Dort folgen uns viele interessierte Menschen.

Jasmin: Wie viele denn?

S. Kemper: Auf Facebook ca. 3.000 und Instagram ca. 3.700.

Emmi: Was machen Sie mit überflüssigen Lebensmitteln?

S. Kemper: Wir haben nur kleine Mülltonnen. Unser Ziel ist, dass wir so wenig wie möglich wegwerfen müssen. Deshalb planen wir z.B. unser Bistroangebot sehr sorgfältig. So dass wir erst gar keine Reste haben. Uns wird hier nichts schlecht!

Jasmin: Ist Münster Ihr einziger Standort?

S. Kemper: Ja. Und wir wollen auch keine Kette werden. Schön wäre es, wenn wir in Münster noch mehrere Läden hätten. Schließlich kauft man da ein, wo man wohnt. Es wäre toll, auch in anderen Stadteilen unsere geretteten Lebensmittel anbieten zu können.

Emmi: Wie viele Menschen arbeiten hier?

S. Kemper: Wie ich am Anfang schon sagte, sind wir fünf Gründerinnen. Zusätzlich gibt es 30 bis 40 ehrenamtliche Mitarbeiter, die sich ganz unterschiedlich einbringen. Sie helfen zum Beispiel zeitweise im Bistro, in der Küche, an der Kasse hier im Laden oder beim Lebensmittel retten.

Wir haben zum Beispiel im letzten Herbst einen LKW voll mit Äpfeln gerettet. 80.000 Äpfel, die sehr schnell verarbeitet werden mussten. Jeder dieser Äpfel hatte einen kleinen Aufkleber, der vor der Verarbeitung zum Apfelsaft bzw. Apfelpunch, ab geknibbelt werden musste. Das war viel Arbeit und wenn wir dann Helfer und Helferinnen haben freuen wir uns natürlich sehr.

Jasmin: Wann hat der Laden geöffnet?

S. Kemper: Ich gebe euch mal einen Flyer mit. Da findet ihr Informationen zu uns und unsere Öffnungszeiten. (siehe Foto). Ansonsten könnt ihr uns über unsere Homepage oder Email erreichen:

www.fairteilbar-muenster.de          hallo@fairteilbar-muenster.de

#haltbar          #essbar         #kostbar        #fairteilbar

Beschreibung: https://www.fairteilbar-muenster.de/images/header%20website%202.jpg?crc=266677745

Emmi, Jasmin, Bruno: Vielen Dank, Frau Kemper! Wir finden Ihre Idee und Ihr Engagement super! Toll, dass Sie sich so viel Zeit für uns genommen haben. Wir kommen sehr gerne wieder besuchen!